Ja, in den meisten Altbauten lässt sich eine Lüftung nachrüsten, ohne Wände aufzustemmen oder ein Kanalnetz zu verlegen. Möglich machen das dezentrale Geräte mit Wärmerückgewinnung: Sie sitzen in einer Kernbohrung durch die Außenwand und tauschen die Luft Raum für Raum. Die einzige harte Voraussetzung ist eine geeignete Außenwand. Fehlt sie, gibt es andere Wege.
Welches System am Ende zu Ihrem Haus passt, klärt der große Überblick, welche Lüftungsanlage passt. Dieser Ratgeber geht eine Ebene tiefer und beantwortet die eine Frage, die beim Altbau zuerst kommt: Geht das bei mir, ohne die halbe Wohnung aufzureißen?
Unsicher, ob das bei Ihrem Zuhause funktioniert? Der Bedarfsberater prüft Ihre Situation in wenigen Minuten – kostenlos und unverbindlich.
Was heißt „kanalfrei nachrüsten" überhaupt?
Kanalfrei bedeutet: Es läuft kein Rohrnetz durch Decken, Wände oder abgehängte Flure. Jedes Gerät arbeitet für sich, sitzt in einer einzigen Außenwand-Bohrung und versorgt genau den Raum, in dem es steckt. Damit entfällt der große bauliche Eingriff, der im bewohnten Altbau sonst zum Problem wird.
Zum Vergleich: Eine zentrale Lüftungsanlage (KWL) mit Wärmerückgewinnung braucht ein verzweigtes Kanalnetz, das die Luft von einem zentralen Gerät zu jedem Raum führt. Das lässt sich sauber im Neubau oder in einer Kernsanierung planen. In einem bewohnten Altbau bedeutet es dagegen offene Decken, Schächte und viel Staub. Genau deshalb ist die dezentrale Variante hier der häufigste Weg.
Wenn Sie beide Ansätze grundsätzlich gegeneinander abwägen wollen, lohnt der Blick auf dezentrale oder zentrale Lüftung im direkten Vergleich.
Wie funktioniert ein dezentrales Gerät mit Wärmerückgewinnung?
Ein dezentrales Gerät mit Wärmerückgewinnung sitzt in einer Kernbohrung durch die Außenwand und wechselt im Takt die Luftrichtung: Erst bläst es verbrauchte Raumluft nach draußen, dann holt es frische Außenluft herein. In der Wand steckt ein keramischer Wärmespeicher, der die Wärme der abströmenden Luft auffängt und Sekunden später an die einströmende Frischluft zurückgibt.
Am besten stellen Sie es sich wie einen Wärme-Schwamm vor: Die warme Raumluft strömt hinaus und lädt die Keramik auf wie ein Schwamm, der sich mit Wärme vollsaugt. Kehrt das Gerät die Richtung um, drückt die kalte Außenluft diese Wärme wieder aus der Keramik heraus und nimmt sie mit ins Zimmer. So kommt frische Luft herein, ohne dass die Wärme einfach zum Fenster hinausgeht.
Meist werden solche Geräte paarweise und gegenläufig verbaut: Während das eine ausbläst, holt das andere frische Luft, dann tauschen beide. So entsteht ein durchgehender Luftwechsel im Raum, so dass Sie morgens frische statt abgestandener Luft atmen, ohne heizend das Fenster aufreißen zu müssen.
Wie viel Wärme dabei tatsächlich im Raum bleibt, hängt vom einzelnen Gerät ab. Vorsicht bei pauschalen Prospekt-Zahlen: In der Werbung steht oft der höhere Wärmebereitstellungsgrad, während der ehrlichere, belastbare Wert der Temperaturänderungsgrad (ηt) ist. Die reale Zahl für ein konkretes Gerät steht im Prüfdatenblatt (nach DIN EN 13141-8) – dort sollten Sie im Zweifel nachsehen, statt sich auf ein Marketing-Prozent zu verlassen.
Die wichtigste Frage zuerst: Haben Sie eine geeignete Außenwand?
Der ganze Ansatz steht und fällt mit der Außenwand, denn dort entsteht die Kernbohrung, in der das Gerät sitzt. Für ein dezentrales Gerät mit Wärmerückgewinnung wird typischerweise ein Loch von rund 160 bis 180 mm Durchmesser durch die Außenwand gebohrt. Ist eine solche Wand vorhanden und frei zugänglich, ist die wichtigste Hürde genommen.
Diese Punkte klärt der Bedarfsberater mit Ihnen – hier vorab als Selbst-Check:
| Voraussetzung | Was gebraucht wird | Wenn nicht erfüllt |
|---|---|---|
| Außenwand im Raum | Eine Wand nach draußen, an der das Gerät sitzen kann | Ohne Außenwand kein dezentrales WRG-Gerät – siehe „Was, wenn die Außenwand fehlt?" |
| Platz für die Kernbohrung | Rund 160–180 mm freie Bohrstelle, nicht über Rohren/Leitungen | Bohrstelle verschieben oder anderen Raum wählen |
| Stromanschluss in der Nähe | Eine Steckdose oder ein Anschlusspunkt in Gerätenähe | Elektriker legt Zuleitung – kleiner Zusatzaufwand |
| Freie Innen- und Außenseite | Innen keine feste Möblierung, außen keine Hindernisse direkt vor dem Auslass | Standort anpassen |
| Zur Miete: Zustimmung des Eigentümers | Schriftliches Okay des Vermieters für die Bohrung | Ohne Zustimmung nicht bohren – siehe Abschnitt „Zur Miete" |
Denkmalschutz, sehr dicke oder mehrschalige Wände und die Fassadenansicht sind Sonderfälle, die ein Fachbetrieb vor Ort beurteilt. Der Selbst-Check sagt Ihnen, ob sich die genauere Prüfung lohnt.
Wie läuft der Einbau ab – realistisch?
Der Reiz des kanalfreien Nachrüstens liegt darin, dass der Eingriff überschaubar bleibt. Weil kein Kanalnetz verlegt wird, fällt deutlich weniger Dreck an als bei einer zentralen Anlage. Der Ablauf je Gerät sieht in der Regel so aus:
- Standort festlegen. Fachbetrieb prüft Außenwand, Stromanschluss und den sinnvollsten Punkt im Raum.
- Kernbohrung setzen. Die Bohrung (rund 160–180 mm) wird durch die Außenwand geführt, meist leicht nach außen geneigt, damit kein Wasser hereinläuft.
- Wärmetauscher und Gerät einsetzen. Der keramische Kern und das Lüftergehäuse kommen in die Wand, außen sitzt eine Wetterschutzhaube.
- Strom anschließen. Das Gerät wird an die Stromversorgung angeschlossen und in Betrieb genommen.
- Innenblende und Steuerung. Die Innenabdeckung wird montiert, die Lüftungsstufen werden eingestellt – fertig.
Werden mehrere Räume nachgerüstet, wiederholt sich der Ablauf je Gerät. Ein spürbarer Vorteil im bewohnten Haus: Sie müssen nicht ausräumen oder ausziehen, weil der Eingriff auf die jeweilige Wand begrenzt bleibt.
Sie wollen wissen, welche Räume bei Ihnen sinnvoll sind? Beschreiben Sie Ihre Situation im Bedarfsberater – Sie bekommen eine Einschätzung, ohne etwas kaufen zu müssen.
Nachrüsten im Bestand oder gleich Kernsanierung?
Die ehrliche Antwort hängt davon ab, ob Sie ohnehin sanieren. Steht das Haus und soll es stehen bleiben, ist die dezentrale Nachrüstung fast immer der ruhigere Weg. Reißen Sie dagegen im Zuge einer Kernsanierung Decken und Wände sowieso auf, kann sich der Blick auf eine zentrale Anlage lohnen.
| Dezentral nachrüsten (Bestand) | Zentrale KWL (Kernsanierung) | |
|---|---|---|
| Baulicher Eingriff | Eine Kernbohrung je Raum, kein Kanalnetz | Kanalnetz durch Decken/Wände, offene Bauphase |
| Passt, wenn | Haus bewohnt bleibt, raumweise nachgerüstet wird | Ohnehin kernsaniert oder neu gebaut wird |
| Wärmerückgewinnung | Ja, je Gerät (Wert laut Datenblatt) | Ja, zentraler Wärmetauscher |
| Aufwand | Gering bis mittel | Hoch |
| Kosten je Gerät bzw. Anlage | Grobe Orientierung: je nach Hersteller und Modell rund 500–700 € pro Gerät, zzgl. Einbau | Objektabhängig, in der Regel deutlich höher – seriös nur nach Planung zu beziffern |
Die Kostenzahl zum dezentralen Gerät ist eine Orientierung über verschiedene Hersteller hinweg, kein Angebot. Was am Ende zusammenkommt, richtet sich nach Raumzahl, Wandaufbau und Einbau. Für eine zentrale Anlage hängt der Preis so stark vom Objekt ab, dass eine pauschale Zahl mehr verwirren als helfen würde – hier führt kein Weg an einer individuellen Planung vorbei.
Was, wenn die Außenwand fehlt?
Hier gehört ein ehrliches Wort dazu: Ohne geeignete Außenwand funktioniert das kanalfreie Konzept mit Wärmerückgewinnung nicht. Statt Ihnen etwas zu verkaufen, das nicht passt, zeigen wir die Alternativen:
- Innenliegendes Bad oder WC ohne Fenster: Hier ist eine bedarfsgeführte Abluft der übliche Weg – sie zieht Feuchte und Geruch gezielt ab. Wichtig: Weil dabei ein Unterdruck entsteht, muss bei einer Feuerstätte im Haus (Kamin, Gastherme) der Schornsteinfeger die Kombination freigeben.
- Einzelner Raum ganz ohne Außenwand: Dann bleibt meist nur, die Fensterlüftung bewusst zu optimieren. Das ist ehrlich begrenzt, weil es vom Verhalten der Bewohner abhängt – aber besser, als ein Gerät zu verbauen, das ins Leere läuft.
- Feuchter Keller: Der Keller ist ein Sonderfall und folgt anderen Regeln als Wohnräume. Falsches Lüften kann im Sommer sogar Feuchte hereinholen. Dazu lesen Sie am besten gezielt weiter bei keller-belueftung.de.
Steht hinter der feuchten Wand eine bauliche Ursache – etwa aufsteigende Nässe oder eine defekte Abdichtung –, dann löst keine Lüftung allein das Problem. Dann gehört zuerst die Ursache geklärt.
Zur Miete nachrüsten – geht das?
Grundsätzlich ja: Ein dezentrales Gerät mit Wärmerückgewinnung in einem Raum mit Außenwand ist genau der Fall, der sich auch in einer Mietwohnung nachrüsten lässt. Die entscheidende Bedingung ist die schriftliche Zustimmung des Eigentümers, denn eine Kernbohrung ist ein Eingriff in die Bausubstanz. Klären Sie das vor dem ersten Bohrloch, nicht danach.
Was Mieter beim Thema Zustimmung, Rückbau und Auswahl beachten sollten, steht ausführlich unter Lüftung zur Miete.
Und wie finden Sie heraus, was zu Ihnen passt?
Ob dezentral mit Wärmerückgewinnung, eine Abluftlösung fürs fensterlose Bad oder ein anderer Weg: Die passende Wahl hängt von Ihrem Gebäude, den Räumen und Ihrem Ziel ab. Genau dafür gibt es die herstellerübergreifende Bedarfsermittlung – sie schaut auf Ihre Situation und nicht auf ein einzelnes Produkt.
Sehen Sie sich an, für welche Wohnsituationen wir beraten, oder starten Sie direkt: Beschreiben Sie Ihr Zuhause im Bedarfsberater – kostenlos, unverbindlich und ohne Kaufzwang.
Häufige Fragen
Muss ich für eine Lüftung im Altbau Kanäle verlegen?
Nein. Für den häufigsten Nachrüst-Fall werden dezentrale Geräte mit Wärmerückgewinnung eingesetzt, die jeweils in einer einzigen Außenwand-Bohrung sitzen. Ein durchgehendes Kanalnetz ist dafür nicht nötig – das brauchen zentrale Anlagen, die eher in Neubau oder Kernsanierung passen.
Wie groß ist das Loch in der Wand?
Für ein dezentrales Gerät mit Wärmerückgewinnung wird typischerweise eine Kernbohrung von rund 160 bis 180 mm Durchmesser durch die Außenwand gesetzt. Der genaue Wert hängt vom gewählten Gerät ab und steht in dessen technischen Daten.
Funktioniert Wärmerückgewinnung auch beim Nachrüsten?
Ja. Dezentrale Nachrüst-Geräte haben einen keramischen Wärmespeicher, der einen großen Teil der Wärme im Raum hält. Wie viel genau, ist geräteabhängig. Achten Sie im Datenblatt auf den Temperaturänderungsgrad (ηt) statt auf den höheren Wärmebereitstellungsgrad aus der Werbung.
Kann ich einzelne Räume nachrüsten oder muss es die ganze Wohnung sein?
Sie können raumweise nachrüsten. Weil jedes Gerät für sich arbeitet, lässt sich zum Beispiel mit Schlafzimmer und Wohnzimmer beginnen und später erweitern. Welche Räume für Sie sinnvoll sind, klärt die Bedarfsermittlung.
Was kostet es, eine Lüftung im Altbau nachzurüsten?
Als grobe Orientierung über verschiedene Hersteller hinweg liegen dezentrale Geräte mit Wärmerückgewinnung bei rund 500 bis 700 € pro Gerät, zuzüglich Einbau. Der Gesamtpreis hängt von der Zahl der Räume, dem Wandaufbau und dem Montageaufwand ab. Eine belastbare Zahl gibt es erst nach Blick auf Ihre Situation.
Brauche ich als Mieter die Erlaubnis des Vermieters?
Ja. Eine Kernbohrung ist ein Eingriff in die Bausubstanz, deshalb ist die schriftliche Zustimmung des Eigentümers erforderlich. Klären Sie Zustimmung und mögliche Rückbau-Vereinbarungen, bevor gebohrt wird.